Historie der Kirchengemeinde Türkheim

 

Zur Kirchengemeinde Türkheim zählen etwa 1.730 Gemeindeglieder. Davon leben über die Hälfte in Türkheim. Die anderen Evangelischen sind auf ein ländliches Diasporagebiet in den Kommunen Amberg, Ettringen, Markt Wald, Mittelneufnach, Rammingen, Tussenhausen und Wiedergeltingen verteilt. Schwerpunkt ist Türkheim mit Kirche und Gemeindezentrum. In der Gemeinde leben Arbeiter und Angestellte und durch die verkehrsgünstige Lage viele Pendler nach Augsburg und München.

Bis 1953 war Türkheim Amtsaushilfestelle, bis 1962 Vikariat von Bad Wörishofen. Seitdem ist die Gemeinde selbständig.

Pfarrer bzw. Vikare in Türkheim waren:
1945 – 1950 Pfarrer Oskar Schaudig
1950 – 1953 Vikar Wilhelm Stark
1953 – 1954 Vikar Friedemann Fröhlich
1955 – 1960 Vikar Walter Bosswick
1960 – 1966 Vikar Dr. Friedrich Wilhelm Künneth
1966 – 1973 Pfarrer Jürgen Bezzel
1973 – 1996 Pfarrer Horst Linke
1996 – 2002 Pfarrer Heinz Frank
2002 – 2003 Pfarrer Rainer und Pfarrerin Birgit Sels
2003 – 2009 Pfarrerin Birgit Sels
Seit 2010 Pfarrer Claus Förster

Der nachfolgende, (mit freundlicher Genehmigung) redaktionell bearbeitete Text stammt ursprünglich von Pfr. Horst Linke, in: Evangelisch im Unterallgäu. Erbe der Reformation, Diaspora und Ökumene – Die evangelischen Gemeinden im Dekanat Memmingen am Ende des 20. Jahrhunderts, herausgegeben von der Pfarrkonferenz des Evang.-Luth. Dekanates Memmingen, 1986.

„Im vergangenen Jahrhundert lebten nur vereinzelt Evangelische im Gebiet der Kirchengemeinde Türkheim. Sie wurden von Langerringen bei Schwabmünchen aus kirchlich betreut. Als Ende des 19. Jahrhunderts die Zahl der Evangelischen anstieg, reichte diese Betreuung nicht mehr aus. Sie wurde zunächst von der zu Memmingen gehörenden Landgemeinde Erkheim, später von Mindelheim und Bad Wörishofen übernommen.

Am 13. Mai 1923 wurde der „Evangelische Verein Türkheim e.V.“ gegründet, der es sich zur Aufgabe machte, die konfessionellen Interessen der Mitglieder zu wahren und die religiösen Bedürfnisse zu erfüllen. Der Verein sollte das Gemeindeleben aktivieren und war mit der Kirchengemeinde identisch. 1923 fand auch der erste Gottesdienst im Sitzungssaal des Amtsgerichts statt. Kirchenrat Müller, der die Landkreise Mindelheim und Krumbach zu betreuen hatte, war auch für Türkheim zuständig und hielt bis kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs monatlich einen Gottesdienst im Amtsgericht.

Noch vor dem Krieg gelang es dem Evangelischen Verein, ein Harmonium und ein Grundstück für eine evangelische Kirche in Türkheim zu erwerben. Aber erst 1945 kamen so viele Evangelische nach Türkheim, dass sich eine richtige Gemeinde bilden konnte. Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch ein evangelischer Kirchenchor gegründet. Die Gottesdienste fanden jetzt im Rathaus, in der landwirtschaftlichen Berufsschule und seit 1949 in der katholischen Pfarrkirche statt. Noch immer war der Evangelische Verein als Körperschaft öffentlichen Rechts unentbehrlich. Er war nun so stark, dass 1952 an den Bau einer Kirche gedacht werden konnte. Doch alle Pläne wurden vom Landeskirchenrat als zu aufwendig zurückgewiesen und die Auflage gemacht, eine Bausumme von 50.000 DM in keinem Fall zu überschreiten. Schließlich wurde der vom Architekten Gürtner, München, erstellte Plan genehmigt und am 26. Juli 1955 mit dem Bau begonnen. In einer Sitzung am 23. September 1955 wurde einstimmig der vorgeschlagene Name „Heilig-Geist-Kirche“ angenommen.

Die Grundsteinlegung erfolgte am 16. Oktober 1955 unter erfreulich reger Anteilnahme der Bevölkerung. Am 29. Juli 1956 konnte die neue Kirche eingeweiht werden. Nach einem Abschiedsgottesdienst in der katholischen Pfarrkirche machte sich die Gemeinde unter Führung einer großen Anzahl von Geistlichen auf den Weg zum neuen Gotteshaus. Oberkirchenrat Hans Schmid, München, weihte die Kirche. Der Weg zur selbständigen Gemeinde Türkheim wurde parallel in jener Zeit zurückgelegt: Bis 31. Januar 1953 war Türkheim Amtsaushilfestelle, vom 1. Februar 1953 an Vikariat unter Verwaltung des evangelischen Pfarramts Bad Wörishofen. Am 17. Mai 1962 wurde Türkheim Tochterkirchengemeinde von Bad Wörishofen und schließlich am 4. Juli 1966 selbständiges Pfarramt.
1960 reifte der Plan zu einem Kirchenbau in Ettringen, 5 km von Türkheim entfernt. Wieder wurde Dipl.-Ing. Alfred Gürtner mit der Planung beauftragt. Auf Vorschlag des damaligen Vikars Dr. Friedrich-Wilhelm Künneth erhielt die neue Kirche den Namen „Auferstehungskirche“. Am 14. Oktober 1962 erfolgte der erste Spatenstich, und an Christi Himmelfahrt 1963 fand bei strahlendem Sonnenschein unter großer Beteiligung der Bevölkerung die Weihe der Kirche statt.
1970 wurde auf Initiative von Pfarrer Bezzel in Türkheim eine Orgel angeschafft, die das alte Harmonium ablöste.

Die Zusammensetzung der Gemeinde hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg sehr verändert. Bestimmten zunächst Flüchtlinge aus dem Osten, die in der Kirche eine neue Heimat suchten, das Gemeindeleben, so zogen doch viele von hier weg, weil sie keine Arbeit fanden oder durch die Krise der Firma Salamander ihren Arbeitsplatz verloren. Doch fing sich diese Firma bald wieder durch Umstellung auf andere Produkte (statt Schuhen Kunstledertaschen und Kunststoff-Fensterprofile usw.), so dass vor allem jüngere Familien mit Kindern herzogen. Außerdem bauten sich am Ortsrand ehemalige Kurgäste von Bad Wörishofen ihren Ruhesitz. Auch die Entwicklung der Firma Schneider (Rundfunkwerke) und für zwei Außenorte der Firma Grob in Mindelheim (Flugzeugbau) mit ihrem Flugplatz in Mattsies hatten Einfluss auf die Zusammensetzung der Gemeinde.

Während früher die Vikare in einer Wohnung in der Heilig-Geist-Kirche unterkamen, wurde dort später eine Mesnerwohnung eingerichtet. Heute werden sie als Büroräume genutzt. Dem Pfarrer steht ein Pfarrhaus in der Hochstraße zur Verfügung, das die Kirchengemeinde von einer evangelischen Zahnarztfamilie kaufen konnte.“

Im Jahr 2000 wurde das Gemeindehaus von Architekt Weber gebaut.

Heute hat die Gemeinde ihre Schwerpunkte in Gottesdiensten in moderner Form und Glaubenskursen. Für Kinder finden jeden Sonntag (außer in den Ferien) Kindergottesdienste statt. Kinderbibelwoche, Kindertag und Kinderstunde runden das Angebot für Kinder ab.
Da die Entwicklung der Gemeinde in einer andere Richtung ging als man damals beim Bau dachte, gab man im April 2012 die Auferstehungskirche in Ettringen an die russisch-orthodoxe Kirche ab.
Seit einigen Jahren konnte die Kirche in Türkheim immer öfter nicht genügend Platz bieten. Bei Konfirmationen, Weihnachten und größeren Beerdigungen war sie sowieso schon seit vielen Jahren zu klein. Zusätzlich wuchs der Gottesdienstbesuch enorm, so dass sie regelmäßig zu klein ist. Deshalb reifte der Entschluss, anstelle der kleinen, dringend sanierungsbedürftigen Kirche, eine schlichte, neue, größere Kirche zu bauen.  Im Sommer 2015 begann man mit dem Neubau. Architekt war der Gleiche wie beim Gemeindehaus, Matthias Weber. Am 17.07.2016 wurde die neue Heilig-Geist-Kirche von Regionalbischof Grabow eingeweiht.