Predigtbeispiele

Predigt über Johannes 9,1-7: Womit habe ich das verdient?

Womit habe ich das verdient? Ich bin doch auch nicht schlechter als die anderen? Immer wieder werden ihm diese Fragen durch den Kopf gegangen sein. Zeit dazu hat er genüge. Was soll er denn tun? Blind von Geburt an. Da sitzt er am Straßenrand und bettelt. Seit Jahren, Jahrzehnten. Noch nie hat er seine Eltern gesehen. Keine Farben. Noch nie hat er die Sonne auf- oder untergehen sehen. Er weiß nicht, wie wunderbar eine Blume sein kann, wenn sie blüht. Die ganze Schönheit der Natur ist ihm verborgen. Nicht einmal wie er selbst aussieht, weiß er. Aber das ist nicht das Schlimmste. Was ihn am meisten plagt, ist die Frage nach dem Warum? Warum ich? Womit habe ich das verdient? Bin ich schuld oder meine Eltern? Er spürt es bei den Menschen, die an ihm vorbei gehen: Auch sie stellen sich diese Frage. In ganz Israel ist diese Meinung verbreitet: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es wieder heraus. Alle meinen, Gott handelt wie das Echo. Gutes tun, gutes ernten. Schlechtes tun, schlechtes ernten. Gott würde jeden Menschen nach dem Echoprinzip behandeln. Gott würde dafür sorgen, dass es dem Guten gut und dem Bösen richtig schlecht geht. Und deswegen ziehen sie ihre Schlussfolgerung: Dieser ist ein schlimmer Sünder oder zumindest der Sohn schlimmer Sünder. Ausgegrenzt. Abgestempelt. Auch bei Gott keine Chance.

Womit habe ich das verdient? Wie schnell fragen wir das auch heute noch. Wenn uns Krankheit oder Unfall trifft. Dann stellen wir schnell diese Frage. Keiner kann bestreiten, dass wir immer wieder ernten, was wir säen. Manchmal dürfen wir die Früchte unserer Arbeit genießen. Ein Kind übt regelmäßig fleißig auf seinem Instrument. Und dann kann es eines Tages den Erfolg ernten und gut spielen. Einer strengt sich an in seinem Beruf. Und dann kann er die Früchte einfahren: Anerkannt in der Firma, beauftragt mit einem verantwortungsvollen Posten. Ein anderes Mal müssen wir die Folgen unseres Handelns tragen. Nicht auf die Prüfung gelernt und ein schlechtes Ergebnis erzielt. Sich nicht mit Sonnenschutzmittel eingecremt und sich einen Sonnenbrand geholt.

Dieses Echodenken oder Saat und Erntedenken passt manchmal, aber nicht immer. Mancher Schüler lernt und lernt und erzielt trotzdem nicht den Erfolg, den er sich versprochen hat. Mancher bewirbt sich um eine Arbeitsstelle immer wieder. Aber er findet trotzdem keine Arbeit. Es passt nicht immer, dieses Echoprinzip. Auch nicht bei Gott. Manchmal ist es deutlich, dass wir Folgen unserer Sünde tragen müssen. Wenn wir Gleichgültigkeit oder Ablehnung gegenüber Gott säen, werden wir die ewige Verlorenheit ernten. Aber dieses Saat- und Erntedenken passt nicht auf alles.

V2: „Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?“
Das zeigt die Hilflosigkeit der Jünger. Einerseits sind sie in diesem Denkschema gefangen. Andererseits ist ihnen auch klar: Wenn er blind geboren ist, kann er doch vorher gar nicht gesündigt haben. Seine Not kann ja nicht die Folge eines eigenen Fehlverhaltens sein.
Jesus tadelt die Jünger nicht. Das macht deutlich: Wir dürfen unsere Fragen vor Jesus aussprechen. Auch die Fragen, die uns bis in den Schlaf hinein verfolgen. Fragen, auf die wir keine Antwort haben. Warum? Warum ich? Warum lässt Gott das zu? Alles, was uns bedrückt, dürfen wir ihm sagen. Manchmal finden wir schon bald eine Antwort. Manchmal erschließt sich uns Jahre später der Sinn. Manches bleibt uns in diesem Leben ein Rätsel.

V3: „Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.“
Gott hat etwas mit ihm vor. Was für eine Perspektive für ein Leben! Gott hat etwas damit vor. Wäre das nicht herrlich, wenn auch wir das von unserem Leben wüssten: Gott hat etwas damit vor? Aber genau das gilt auch ihnen. Gott hat etwas mit ihrem Leben vor. Seine Liebe soll an ihnen und durch sie sichtbar werden. Gott möchte uns gebrauchen in dieser Welt. Das gilt auch dann, wenn sie in einer Krise stecken oder von einer Krankheit heimgesucht sind. Das gilt auch, wenn sie einen schrecklichen Fehler begangen haben oder schwere Schuld auf sich geladen haben. Ihr Leben kann niemals zu verkorkst sein für Gottes ewigen Plan mit ihnen. Entscheidend ist, dass wir uns für ihn öffnen.

Er ist das Licht der Welt. Er will uns die Augen öffnen. Es gibt auch andere Arten von Blindheit: Stolz, Wut, Jähzorn, Angst, Trauer, Eifer, Eifersucht, liebloser Umgang mit anderen. Das Problem von dieser Art von Blindheit ist, dass wir sie oft nicht so schnell erkennen. Aber Jesus sieht uns alle. Alle mit ihrem ganz spezifischem Problem. Jesus sieht sie, auch wenn ihr Chef sie übersieht. Er liebt dich, auch wenn du in der Klasse bei wenigen beliebt bist. Für Gott bist du wertvoll. Für jede Person gilt: Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu.

V7: „Und er sprach zu ihm: Geh zum Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt – und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.“
Was soll denn das? Was soll das Waschen bringen? Sicher hätten viele so gedacht. Aber damit schaltet Jesus den Willen den Blinden ein. Er fragt hin damit ohne Worte: Vertraust du mir? Wie viele fragen auch heute: Was soll das bringen? Beten? Auf Gott vertrauen? In der Bibel lesen? In den Gottesdienst gehen? Was soll das schon bringen? Wer sich nicht darauf einlässt, dem entgeht so viel. Er verpasst das, was seinem Leben noch eine ganz andere Dimension geben kann.
Vielleicht hatte der Blinde auch seine Zweifel. Aber er stellt sie zurück. Er geht. Und deswegen darf er die verändernde Kraft Gottes in seinem Leben erfahren.

Aber nicht die Heilung ist das Ziel. Der Höhepunkt kommt erst noch. Es geht gar nicht so sehr um die Heilung. Es geht um etwas viel Wichtigeres.
Die Geschichte geht noch weiter: Der geheilte Blinde bekommt Ärger mit den religiösen Oberen wegen dieser Heilung und weil er für Jesus Partei ergreift. Und schließlich wird er aus der Synagoge ausgeschlossen.
V35-38: „Es kam vor Jesus, dass sie ihn ausgestoßen hatten. Und als er ihn fand, fragte er: Glaubst du an den Menschensohn? Er antwortete und sprach: Herr, wer ist’s?, dass ich an ihn glaube. Jesus sprach zu ihm: Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist’s. Er aber sprach: Herr, ich glaube, und betete ihn an.“

Ein ganz schlichtes, einfaches Glaubensbekenntnis spricht er. Aber das von Herzen. Genau darum geht es: Erkennen, wer Jesus ist und ihn als Herrn seines Lebens anerkennen. Nur das verändert. Nur das bleibt. Glauben heißt nicht nur vom Kopf es zu begreifen und zuzustimmen. Sondern mit dem ganzen Leben.

Womit habe ich das verdient?, fragen wir oft. Gerade dann, wenn uns schlechtes widerfährt. Nein. Sehr vieles haben wir nicht verdient. Einige Jahre hatte ich einen Ruheständler als ehrenamtlichen Mesner. Jedes Mal, wenn ich ihn fragte, wie es ihm gehe, sagte er: Unverdient gut. Das hörte sich für mich immer etwas seltsam an. Aber eigentlich hat er recht: Wir haben es nicht verdient. Wenn es uns gut geht, wenn wir gesund sind, dass wir hier in Deutschland leben dürfen. Wir haben es nicht verdient. Womit denn auch? Weil wir so nett und anständig sind? Alles ist Geschenk, Gnade. Deswegen müssen wir auch nicht mehr fragen, wenn uns schweres trifft: Womit habe ich das verdient? Sondern dürfen mit Jesus nach vorne schauen und fragen: Was kann ich daraus lernen? Wie komme ich ans Ziel, Gottes Ewigkeit?
Unser Denkfehler liegt darin, dass wir die Ewigkeit ausblenden. Wir sehen nur unser Diesseits. Aber in erster Linie geht es nicht darum, hier gut durchs Leben zu kommen, sondern in den Himmel zu kommen. Wichtig ist es, nicht für alle Ewigkeit verloren zu gehen, sondern in Gottes neuer Welt dabei zu sein. Dann kann ich vielleicht auch manches Schwere im Leben anders sehen: Als Chance zu reifen. Als Chance mich neu zu orientieren. Als Chance ganz auf Gott zu vertrauen…

Ich möchte ihnen zum Schluss von jemanden erzählen, den auch diese Frage plagte: Womit habe ich das verdient? Der mit 20 Jahren er bei einem schweren, unverschuldeten Motorradunfall lebensgefährlich verletzt und dadurch an den Rollstuhl gefesselt wurde.

[ … ]

Womit habe ich das verdient? Nein. Vieles haben wir nicht verdient. Weder das Gute noch das Schlechte. Aber es ist noch viel wichtiger, wie ich damit umgehe. Dass ich durchdringe zu dem Herr, ich glaube. Herr, ich vertraue.
Amen.

 

Predigtbeispiel 2: 2.Mose 3,1-10: Du wirst gebraucht

Ist das nichts? Glück hatte er gehabt, dieser Mose nach seiner Flucht nach Ägypten: Die Frau fürs Leben gefunden, einen reichen Schwiegervater und eine Arbeit, die zum Leben reichte. Ein unbedeutender Job war es. Von niemandem beachtet. Jeden Tag der gleiche Trott und die gleiche Mühe. O.K. Aber was soll’s? Mose kannte sich inzwischen aus. Er richtete sich ein in der Wüste.
Auch wir kennen Wüstenwege. Wir kennen unsere Weidegründe. Haben es uns so gut es geht darin eingerichtet. Das Leben plätschert so dahin. Jeden Tag derselbe Trott. Vielleicht haben wir uns mit unserer Wüste so arrangiert, dass wir darüber vergessen haben, dass es noch mehr gibt.
Auf einmal wird er aufgeschreckt aus seiner Lethargie. Da brennt der Baum. Das war nichts Besonderes in der Wüste. Weiterziehen und das war‘s. Den eigenen Gedanken nachhängen. Aber er stutzt. Moment mal. Das gibt’s doch nicht. Der Busch verbrennt ja gar nicht. Das reißt ihn aus seinem Trott und erregt seine Neugier. Mose ist fasziniert und plötzlich hellwach.
1. Gott beruft
Als aber der HERR sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. (V4) Aus dem brennenden Dornbusch hört Mose seinen Namen. Gott kennt ihn genau. Kein Tag seines Lebens war ihm entgangen. Er wusste um seine Schuld, dass er den Ägypter erschlagen hatte. Er kannte seine Wüstentage, die alle genau gleich verliefen.
Gott kennt auch uns und unsere Wüstentage. Unseren Alltagstrott. Worüber wir uns freuen und wo wir uns sorgen oder ängstigen.
Gott sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen (V5a).
In alten hebräischen Handschriften steht hier nicht Schuhe, sondern Schuh. Wahrscheinlich ist das ursprünglicher. Es heißt dann also: Zieh deinen Schuh aus. Was bedeutet das also? Schuhe dienten damals nicht nur als Fußbegleitung, sondern spielten bei symbolischen Handlungen eine entscheidende Rolle. Es geht also nicht darum: Schuhe runter, es ist frisch geputzt. Sondern es hat etwas Entscheidendes zu bedeuten. Seinen Schuh auf etwas zu werfen, bedeutet, etwas in Besitz zu nehmen. Das Ausziehen des Schuhs ist eine symbolische Handlung, die deutlich macht, dass man auf Besitz verzichtet. Mose soll also auf das Recht verzichten, sein Leben selbst in die Hand nehmen zu wollen. Warum soll er das?
„denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land!“ (V5b). Nicht der Boden an sich ist heilig. Nur Gott ist heilig. Weil der heilige Gott da ist und sich ihm mitteilt, deswegen wird der Boden heilig genannt. Diesem heiligen Gott soll sich Mose zur Verfügung stellen.

Gott beruft – auch uns. Er ruft uns in seine Nachfolge, mit ihm zu leben. Er ruft uns aus unserem Alltagstrott, um sein Reich zu bauen. Gott möchte nicht, dass wir es in unserem Leben nur schön einrichten. Auf einmal spüren Menschen, wie es in ihnen brennt. Sie begreifen: Gott meint jetzt mich. Er hat einen Anspruch auf mein Leben. Er will, dass ich ihm gehorche. Er fordert mich auf, neue Wege zu gehen. Gott sagt zu uns: In dir steckt noch mehr. Ich habe dich geschaffen. Ich habe dir Gaben gegeben. Ich gebe dir auch eine Aufgabe. Du wirst gebraucht!

Wir Menschen spüren es in uns, dass wir nicht auf dieser Welt sind, nur um vor uns hinzuleben. Es gibt nichts Schlimmeres als nichts zu tun. Verstehen sie mich nicht falsch: Ich meine nicht, sich auszuruhen und zu entspannen… Aber schlimm ist es, wenn ich zu völliger Untätigkeit verurteilt bin. Wenn wir die Zeit totschlagen müssen, wie wir sagen. Oder auch wenn ich das Gefühl habe, ich bin überflüssig. Wenn ich den Eindruck habe, es ist eigentlich völlig egal ob ich da bin oder nicht. Deswegen leben wir ja in einer Welt, in der es massenweise Unterhaltungsprogramme jeglicher Art gibt. Damit es keinen Leerlauf gibt.
Aber es gibt nichts Erfüllenderes als für eine größere, sinnvolle Aufgabe sich einzusetzen. Zu erleben, es verändert sich was zum Guten durch das, was ich tue. Ich darf mitbauen an etwas Großem. Im Neuen Testament lesen wir, dass wir alle Gaben haben – ohne Ausnahme. Es spielt nicht das Alter, nicht die Ausbildung, nicht die Geldbeutelgröße oder was auch immer eine Rolle. Als Christen sind wir berufen, Menschen zu erreichen mit dem Evangelium: Dass Kinder und Jugendliche erfahren, wie wertvoll sie sind in Gottes Augen und dass ihr Leben einen Sinn und ein Ziel hat. Dass sie Orientierung bekommen durch biblische Werte in einer Welt, die immer unübersichtlicher wird. Dass Erwachsene mitten im Leben einen Halt finden, nicht aufgehen müssen im Alltag, dass ältere Menschen wissen, was in der letzten Stunde Trost und Zuversicht gibt, dass sie auch da getragen sind von Jesus Christus.
Gott ruft nicht nur Mose, sondern auch uns. In dir steckt mehr. Du bist auf dieser Welt, um für mich etwas zu bewirken. Dafür lohnt es sich, sein Leben zu investieren.

2. Gott fordert zur Antwort heraus
Manche wünschen sich heute auch so eine spektakuläre Begegnung mit Gott und so eine Berufung. Machen wir uns klar: Wenn Gott in so außerordentlicher Weise beruft, dann ist der Auftrag auch so außerordentlich: Zum mächtigsten Mann der Welt zu gehen und ihm sehr unangenehme Dinge zu sagen, dass ist nicht nach jedermanns Geschmack. Das riecht schon mehr nach „mission-impossible-Einsatz“. Ein Himmelfahrtskommando. Genauso sieht es auch Mose. Er ist alles andere als begeistert. Er sagt nicht: Tolle Berufung, was für ein Auftrag. Endlich mal was anderes als immer nur Schafe und Wüste. Nein. Er wünscht sich, dass er seinem Trott wieder nachgehen kann. Nur nichts ändern. Einfach immer so weitermachen, scheint seine Devise zu sein. Er versucht Gott klarzumachen, dass die Feuer-Show zwar eine willkommene Abwechslung war, aber der dazugehörige Auftrag nicht so nach seinem Geschmack ist. Fünfmal lehnt er ab.
Mose sprach zu Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehe und führe die Israeliten aus Ägypten? (V11) Das Ganze ist mir eine Nummer zu groß. Da bin ich nicht der richtige Mann. Such dir lieber einen anderen. Ich bin ein einfacher Hirte. Ein Nichts. Das kennen wir doch, oder? Was bin ich schon? Was kann ich schon? Ich bin zu jung, ich bin zu alt…
Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Israeliten komme und spreche zu ihnen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt!, und sie mir sagen werden: Wie ist sein Name?, was soll ich ihnen sagen? (V 13)
Wer bist du Gott? Wie kann ich den lebendigen Gott Menschen nahe bringen? Ist das nicht unmöglich? Wie können sie ihn auch nur annähernd begreifen? Da wird sich sowieso keiner drauf einlassen.
Mose antwortete und sprach: Siehe, sie werden mir nicht glauben und nicht auf mich hören, sondern werden sagen: Der HERR ist dir nicht erschienen (4,1). Wer interessiert sich heute schon noch für Gott und Glauben? Sie glauben nicht, dass er sie wirklich frei machen kann von dem, was sie einengt. Viele merken es gar nicht mehr, dass sie Sklaven sind.
Mose aber sprach zu dem HERRN: Ach, mein Herr, ich bin von jeher nicht beredt gewesen, auch jetzt nicht, seitdem du mit deinem Knecht redest; denn ich hab eine schwere Sprache und eine schwere Zunge (4,10).
Mose hat den Eindruck, dass Gott immer noch nicht weiß, wie wenig er zu dieser Aufgabe geeignet ist. Ich kann nicht gut reden, sagt er. Ich habe kein Talent. Ich bin zu schwerfällig dazu. Ich fühle mich ungeeignet.
Da das alles auf Gott keinen Eindruck macht, sagt er es ihm ganz deutlich. Mose aber sprach: Mein Herr, sende, wen du senden willst (4,13).
Ohne mich. Ich nicht. Die anderen sollen es machen.

Wie reagieren wir? Was ist unsere Antwort, wenn Gott uns ruft und in Dienst nehmen will?
3. Gott ist erfahrbar
Ist Gott von den Einwänden von Mose beeindruckt? Er entkräftet die Einschätzungen von Mose gar nicht. Klar bist du ein einfacher unbedeutender Hirte. Natürlich ist das für jeden Menschen eine Nummer zu groß. Von Natur aus bist du kein großer Redner. Na und? Das alles stellt für Gott nicht das geringste Problem dar.
Er sprach: Ich will mit dir sein (3,12a).
Gott kann. Nicht wir mit unseren tollen Fähigkeiten und Möglichkeiten müssen es leisten. Sondern wenn wir uns ihm mit unseren begrenzten Fähigkeiten und Möglichkeiten zur Verfügung stellen, dann handelt er.

Das bedeutet nicht, dass wir alle für ein und dieselbe Aufgabe berufen sind, egal ob wir dazu Begabungen haben oder nicht. Gott beruft uns an den Platz, wo er überzeugt ist, dass wir richtig sind. Und dann spielt es keine Rolle, wie unbedeutend wir uns fühlen. Weil er etwas daraus machen kann. Oft hat Gott die Berufung in der Gemeinde in uns hineingelegt, in dem, was wir gerne machen und gut können. Wir müssen nur entdecken, wie ich das für die Gemeinde nützlich machen kann. Dann kann uns Gott gebrauchen und das Leben von vielen Menschen positiv verändern.

So nahm denn Mose seine Frau und seinen Sohn und setzte sie auf einen Esel und zog wieder nach Ägyptenland und nahm den Stab Gottes in seine Hand. (4,20)
Mose gehorcht. Und er erlebt das größte Abenteuer seines Lebens. Er erlebt diesen großen Gott, der Großes tun kann. Wäre er in der Wüste geblieben, bei seinen Schafen, dann hätte er ein ruhigeres Leben gehabt. Es wäre weiter dahingeplätschert. Ob ihn das ausgefüllt hätte? Wohl kaum. Wahrscheinlich hätte er immer wieder daran gedacht, was er verpasst hat? Wie wäre es ihn ergangen, wenn er die Israeliten eines Tages an ihm vorbeiziehen hätte sehen unter einem anderen Führer – und er wäre nicht dabei gewesen?

Vergangenes kann man nicht ändern. Nur heute leben – in der Gegenwart Gottes. Dass wir uns berühren lassen, wenn er sein Feuer in uns anzünden will.

Gott handelt. Er verändert Menschen, eröffnet neue Perspektiven und schenkt einen tiefen Sinn. Ich habe das schon oft erlebt. Es gibt nichts Schöneres als das zu erleben und staunend daneben zu stehen.

Dazu beruft Gott. Uns als einzelne und als Gemeinde.
Gott fordert zur Antwort heraus. Wie reagieren wir?
Gott ist erfahrbar. Er lässt uns nicht allein. Seine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Unsere Verlegenheiten sind seine Gelegenheiten. Amen.